
Historische Bestände und Sammlungen:
Bildersammlung
Grafiksammlung
Der Grundstock für die Grafiksammlung wurde 1941 gelegt, als sich der
damalige Bibliotheksdirektor Dr. Leo Altermatt entschloss, "steigenden
Benützungsnachfragen" entgegenzukommen und "Bildnisse sowie bildliche
Darstellungen zur heimatlichen Geschichte im weitesten Sinne, also
Portraits, Trachtenbilder, Stadt- und Dorfansichten, Bilder einzelner
Gassen und Gebäude (typische Häuser, alte Türme, Speicher, Schlösser,
Ruinen etc.) sowie historische und kulturhistorische Bilder jeder Art
zu sammeln". Der Entschluss wurde insofern erleichtert, als der
Zentralbibliothek "von verschiedenen Seiten saubere und wertvolle
Graphik angeboten wurde und sich gleichzeitig in der solothurnischen
Industrie einsichtige und kunstliebende Donatoren fanden, die diese
Anschaffungen durch freiwillige Beiträge finanzierten" (Aus dem 12.
Bericht über das Jahr 1941 der Zentralbibliothek Solothurn).
1952 umfasste die Sammlung "Solothurner Graphik" bereits etwa 1000
Blätter. Einige Jahre darauf, 1960, schrieb Altermatt mit sichtlichem
Stolz: "Im Verlauf von rund zwanzig Jahren gelang es, das von uns
begründete ‹Kupferstichkabinett›, das die Sammlung graphischer Blätter
aller Techniken wie der Zeichnungen mit solothurnischen Motiven
bezweckt, so auszubauen, dass darin nahezu alle wertvollen Blätter
unseres Kantons vorhanden sind. Was heute bei den hohen Preisen der
Kunstblätter, der Seltenheit des Angebots und der ausgebreiteten
Sammlerfreude kaum mehr möglich wäre, konnte in der Nachkriegszeit,
dank der Aufgeschlossenheit Privater und finanzieller Unternehmen, also
weitgehend ohne besondere finanzielle Belastung der Stiftungsteilhaber,
erreicht werden. Alle diese Blätter sind in einem festen Passepartout
montiert und damit ausstellungsfähig" (Aus dem 31. Bericht über das
Jahr 1960 der Zentralbibliothek Solothurn).
Die Sammlung umfasst heute rund 2'900 Werke; davon sind rund 700
Ansichten der Stadt Solothurn, rund 550 Ansichten aus dem Kanton
Solothurn, rund 260 zeigen Portraits, rund 240 Trachtendarstellungen.
Die Sammlung ist in den 1960-er Jahren erschlossen worden, indem von
den Werken Fotos oder Fotokopien angefertigt wurden, die nach
geografischen, thematischen, chronologischen Kriterien sowie nach
Künstlernamen in Alben eingeordnet wurden. Die Sammlung wird derzeit
fachgerecht katalogisiert. Der erste Teil der Sammlung, die klein- und
mittelformatigen Blätter solothurnischen Inhalts, ist über Internet
abrufbar.
Die Sammlung verzeichnet einige illustre Namen, z.B. den geistvollen
Karikaturenzeichner, Meister der Tierfabel und Historienmaler Martin
Disteli (1802-44), den berühmten Zürcher Kupferstecher David
Herrliberger (1697-1777), den Toggenburger Landschaftsmaler und
Kupferstecher Johann Baptist Isenring (1796-1860), den Historien- und
Portraitmaler Heinrich Jenny (1824-91) sowie den in Solothurn tätigen
Maler, Radierer und Aquatintastecher Ludwig Midart (1733-1800), sie
umfasst im weiteren einige besonders rare Blätter wie die Radierungen
von Johann Jakob Biedermann (1763-1830), Holzschnitte von Urs Graf (ca.
1485-ca. 1527) oder das Skizzenbuch des Berner Malers und
Kupferstechers Daniel Burgdorfer (1800-1861). Zu erwähnen sind auch die
Aquarelle und Bleistiftzeichnungen des Solothurners Viktor Joseph Ubald
von Roll (1761-1829), die naturwissenschaftlichen Zeichnungen des
Berner Professors und Universalgelehrten Maximilian Perty (1804-1884)
sowie Originallithographien und -zeichnungen von Cuno Amiet
(1868-1961).